Mohammad Beheshti, Frau Prof. Obermayr-Rauter und ich waren beim Bundeswettbewerb der Philosophieolympiade. Schon dieses Wort strahlt Gravitas aus, zeichnet das Bild eines Symposiums des bewanderten Verstandes, strotzt vor geballter Geisteskraft. Jedoch ist das so nicht ganz richtig. Warum auch? Ein jeder/jede sollte meiner Ansicht nach das Potential haben, ein/ Philosoph/in zu sein, wenn er/sie nur das Bedürfnis hätte, seine/ihre Gedankengänge niederzuschreiben.
Hier schalte ich mich als Philosophielehrkraft ein: Lieber Manuel, ich gebe dir darin Recht, sofern die Gedanken schlüssig, themenbezogen und logisch nachvollziehbar sind.
Dieses Potenzial vieler Menschen wird einem schlagartig bewusst, wenn man mit den anderen TeilnehmerInnen ins Gespräch kommt. Natürlich, ein gewisses Interesse an Philosophie war allen anzusehen, und mehrere Diskussionen – mit zumeist sehr interessanten Gedanken – waren im Clubraum zu vernehmen. Die Themen wiederum waren manchmal mehr, manchmal weniger philosophisch angehaucht. Als waschechter Denker hätte ich am liebsten meine Zeit in Salzburg so zugebracht: reden und nachdenken. Arbeit stand jedoch auch auf der Tagesordnung. Am Montag durften wir unsere Denkfertigkeit unter Beweis stellen und zu einem Zitat einen philosophischen Essay verfassen. Das war eine vierstündige Affäre, die sich mir vor allem durch das ohrenbetäubende, kollektive Tippen in die Tastaturen ins Gedächtnis gebrannt hat. Auch an einem Workshop, Mohammad und ich wählten den über Transhumanismus und Roboterethik, konnten wir teilnehmen. Wir erlebten diesen als hochinteressant, aber auch vielschichtig und manchmal frustrierend.
Doch alle diese Erfahrungen, positiv wie negativ, traten am Tag der Preisverleihung in den Hintergrund. Für meinen Teil war die Aufregung sehr schnell vorbei und ich durfte mein Poster und Urkunde in Empfang nehmen sowie ein nettes Foto mit den Organisatoren schießen lassen. Es wurden immer mehr Leute aufgerufen und mit Poster, Urkunde und Foto belohnt. Die Plätze wurden immer besser und Mohammad hatte immer noch nichts in den Händen. Unsere Aufregung stieg wieder: fünfter, vierter und dritter Platz kamen an die Reihe. Beim zweiten Platz wurde endlich Mohammad aufgerufen. Ein Wechselbad der Gefühle: Euphorie über die Platzierung und doch Enttäuschung, dass er nicht den Sieg für uns hatte holen können.
P.S. Der erste Platz ging an eine Schülerin aus Südtirol, sie ist eine italienische Staatsbürgerin. Also hat unser Mohammad doch für Österreich gewonnen! Ha! Glückwunsch, Mohammad, das ganze Gymnasium ist stolz auf dich! Alles Gute für den internationalen Wettbewerb in Montenegro!
Manuel Zauner, 8A
Lieber Mohammad,
auch ich gratuliere dir bzw. uns ganz herzlich. Ich bin stolz, dass ich dich und Manuel motivieren, vorbereiten und begleiten durfte. Was das Essay-Korrigieren betrifft, halte ich es mit Wittgenstein: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“ (Tractatus logico-philosophicus, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1963,S. 115)
OM