No Blood On My Clothes

No Blood On My Clothes

Ein Projekt der 1L und 1M Textilgestalterinnen auf Einladung des Vereins „Art For Fair Fashion“ – 2014/15

entwurfsphaseSie kaufen gerne modische Kleidung. Es macht ihnen Spaß, mit den Freundinnen Neues in den gängigen Geschäften der großen Modeketten zu suchen und anzuprobieren. Sich an der Mode zu orientieren garantiert Abwechslung und gutes Aussehen. Manche haben schon ausgeprägte Vorlieben für Marken.
24 Schülerinnen der 1L und 1M beschreiben so ihr persönliches Kaufverhalten.
„Made in“ findet kaum Beachtung beim Kauf der begehrten Stücke…bis vor Kurzem.

made-in_weltkarte Serienfertigung_1

Über viele Wochen setzen sie sich im Fach „Textiles Gestalten“ intensiv mit ihrem Modekonsum und den Produktionsbedingungen in der Textilindustrie auseinander:
Sie…

  • beschreiben ihr Kaufverhalten und bemerken, wie ähnlich ihre Gewohnheiten sind.
  • listen als Kleiderschrank-Detektivinnen ihre textilen Besitztümer auf.
  • suchen auf einer Weltkarte die Länder, in denen ihre Kleidung gemacht wurde, landen dabei meistens in Bangladesch, Indien und China und fragen, warum nicht in Europa produziert wird.
  • zeichnen verwundert auf einer Weltkarte die Reisestrecke (von der Fasergewinnung bis zum Kauf) eines Kleidungsstückes ein.
  • illustrieren den Lebenszyklus von Kleidung.
  • machen eigene hautnahe Erfahrungen mit serieller Näherei, indem sie stundenlang den gleichen Arbeitsvorgang wiederholen.
  • schätzen die prozentuellen Anteile der preisbildenden Faktoren ein und können es nicht fassen, wie wenig ein/e Näher/in verdient.
  • sehen einen Dokumentarfilm und sind schockiert über die erbärmlichen Lebensumstände jener Menschen, die in der Textilindustrie arbeiten und ausgebeutet werden.
  • diskutieren emotional und sachlich, wie sie als Konsumentinnen Einfluss nehmen können auf die Produktionsbedingungen und entwickeln dazu persönliche und gemeinsame Strategien (Unterschriftenaktion, bewussteres Kaufverhalten, Tauschbörsen etc.).
  • informieren sich über die Begriffe „faire Mode“, Kennzeichnungen, „fast fashion“ und „slow fashion“.
  • besorgen Informations- und Aktionsmaterial (z.B.: „Firmen Check“ von Clean Clothes Kampagne).

Die Handlungsbereitschaft und die Fähigkeit zur mehrperspektivischen und abwägenden Reflexion dieser jungen Schülerinnen sind überwältigend.
Sie wollen unbedingt etwas unternehmen und einen Beitrag dazu leisten, auf die Produktionsbedingungen ihrer Modewelt hinzuweisen.

Diese jungen Textilgestalterinnen sind voll und ganz dabei, ihre Botschaften laut und kräftig zu visualisieren und auf ihre Brust zu heften bzw. auf ein T-Shirt zu drucken. Sie entwickeln prägnante Bildzeichen und Sprüche, die das Thema auf den Punkt bringen sollen. Die ersten schnellen Entwürfe und Skizzen werden kritisch betrachtet und optimiert. Grafische, malerische und textile Technologien werden zur Umsetzung eingesetzt.

Schließlich werden fair trade T-Shirts von der Textildruckerei promotexx gesponsert und mit den Motiven bedruckt. Darauf folgen ein Fotoshooting, eine Vorführung und Ausstellung beim Linzer Modepalast und eine eindrucksvolle Performance beim Sommerfest der Schule im Linzer Rathaus.

Aus Fäden werden Stricke.
Die Schülerinnen haben den Faden aufgenommen und spinnen ihn nun selbstständig weiter: Gestalten eines Weblogs und eines Journals, Unterschriften sammeln und damit Politik und Wirtschaft konfrontieren…
Sie haben erkannt, dass sie als junge Textilkonsumentinnen nicht ohnmächtig der globalen Ausbeutung humaner und materieller Ressourcen zusehen müssen, sondern aktiv agieren, Verantwortung übernehmen und die Fäden in der Hand halten können.

Stellungnahmen der Schülerinnen:
„Ich beteilige mich an dem Projekt ‚No blood on my clothes‘, weil ich es unmenschlich finde, dass Menschen so behandelt werden. Man muss seine Stimme erheben und etwas sagen! Hier habe ich die Chance!
Ich weiß, ich bin nur eine Stimme von vielen, doch noch mehr Stimmen rufen um Hilfe! Für diese Näherinnen möchte ich kämpfen und auch etwas erreichen!“ (AEAZ)bild1„Ich finde, man soll die Wahrheit über unsere ‚tolle‘ Modewelt wissen! Man macht sich keine Sorgen, sollte man aber! Es muss eine Lösung geben, den Näherinnen zu helfen. Man möchte es nicht selbst erleben, mit 12 Jahren schon 14 Stunden am Tag zu arbeiten, aus der Schule genommen zu werden, um die Familie zu erhalten oder nur 5€ zum Leben für einen Monat zu haben.“ (Mimmi)bild2Weitere Informationen unter:
www.artforfairfashion.org
http://no-blood-on-my-clothes.blog.de
www.promotexx.eu

Unterstützung der Petition: in der 2L und 2M oder bei Susanne Weiß